Raue Stimme, kantige Musik und Texte vom Leben da draußen ein Artikel der Badischen Zeitung

MÜLLHEIM. "Wer keinen Bock hat, kann gleich wieder gehen" – so begrüßen Künstler selten ihr Publikum. Doch Cynthia Nickschas ist anders. Die freche Liedermacherin spielte am Samstagabend mit Band beim Verein Kultig in Müllheim. Dabei gab sie persönliche Einblicke und hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Cynthia Nickschas ist musikalisch auf der Straße großgeworden. Ihre Stimme ist rau, ihre Musik kantig, und ihre Texte sind vom Leben da draußen inspiriert. 2010 belegte sie beim Straßenmusikwettbewerb in Geldern den ersten Platz. 2014 hat sie ihr erstes Studioalbum aufgenommen, das zweite folgt demnächst.

Die Songwriterin und Gitarristin hatte eine Mischung aus alten und neuen Liedern im Gepäck. Die neue Platte heißt "Egoschwein". Alle Songs stammen aus Nickschas Feder. "Wenn ihr nicht mitgeht, mach ich’s allein, sorry Leute, da bin ich ein Egoschwein" singt sie im gleichnamigen Titelsong, der vielversprechend klingt.

Dass man für eine Karriere als Liedermacherin manchmal seinen eigenen Kopf durchsetzen muss, wurde auch im Song "Zu viel" deutlich. "Manchmal wird einem das Mucke-Leben zu viel, und man wünscht sich statt der Bühne lieber einen vollen Kühlschrank", erklärte Cynthia Nickschas. In einem solchen Moment sei der Song entstanden. So viel Eigensinn kam gut an beim bunt gemischten Publikum im vollbesetzten Werkzentrum St. Christoph.
 

Spannungsgeladene Mischung aus Rock, Pop, Folk und Blues


Begleitet wurde die 31-jährige Sängerin von Christian "Z" Zerban am Saxonfon, der auch die zweite Stimme gab, von Christoph Wegener am Bass und Alwin Moser an der Violine. Schlagzeuger Mario Hühn und Gitarrist Stefan "Doc" Janzik waren verhindert. Doch die Band überzeugte auch in reduzierter Besetzung auf ganzer Linie. Mit herausragenden Soli demonstrierten die Musiker auf der Bühne ihr Können.

Der Stil der Band, die aus dem Bonner Raum kommt, ist eine spannungsgeladene Mischung aus Rock, Pop, Folk, Blues und anderen Einflüssen. Die eingängigen Songs fanden schnell ihren Weg in die Gehörgänge der Konzertbesucher, die tanzten und feierten. Nickschas Lieder sind oft sehr persönliche Einblicke in ihr Leben, erzählen aber auch ganz allgemein von den guten und schlechten Seiten des Lebens. So konnte man die Themen als Zuschauer leicht nachvollziehen, und oft dachte man: In der Situation war ich ja auch schon einmal.

Cynthia Nickschas Texte machen Mut, wühlen auf und regen an, holen fast Vergessenes auf den Plan. Positiv denken, Hoffnung, Liebe, Freude und Familie stehen auf ihrer Wunschliste für alle. Doch auch der Umgang mit Angst, Zweifeln und Wut, dem eigenen Selbstwert und den eigenen Gefühlen sind Teil der Botschaft. Dennoch klingen die wenigsten Lieder melancholisch – und wenn, dann wird der Melancholie purer Trotz entgegengesetzt.

Die Botschaft von Nickschas und ihrer Band ist klar: "Lachend durchs Leben gehen ist irgendwie weniger schlimm." Und: "Man muss die Scheiße mit Humor nehmen, auch wenn sie stinkt." Cynthia Nickschas und ihre Band sind anders – textlich und musikalisch. Das Publikum ließen sie erfrischt zurück.
 

Der Verein Kultig organisiert jährlich rund acht Veranstaltungen. Am 14. April gibt es Jazz mit Mimaneé.

 

Von Erik Stahlhacke

Mo, 05. März 2018

Müllheim
 

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